Der Sturm der Deutschen Schule

Mit dem Stück „Der Sturm“ hat die Theater-AG der Deutschen Schule den Wettbewerb „Vorhang auf für Deutsch“ (21-23. Mai in Montana) gewonnen. Daran haben 12 deutschsprachige Schulen teilgenommen. Die Deutsche Schule hat den Preis für originellstes Schauspiel bekommen.

Am 23. Mai schleppte mich meine Freundin zu einem Theaterstück, obwohl ich kein größer Theaterfan bin. Sie meinte, dieses sollte besonders sein, da dabei wurde die Regie von Schülern geführt, es besaße auch Elemente des Modernen. Übrigens wusste sie über das Stück, weil das Kind von Freunden ihrer Eltern daran Teil nahm. Die Deutsche Schule Theater-AG hatte damit einen Preis gewonnen, also sollte es auch objektiv gut sein. Deshalb, ehrlich gesagt, war ich dort, nur um das kreative und tolle, von Jugendlichen gemachte Ding zu unterstützen, was für mich immer wichtig ist.

Für die Genialität und Großartigkeit des Stückes war ich allerdings nicht bereit.

Ganz ehrlich.

Das Ganze hat mit einem Standbild begonnen- die Schauspieler standen auf der Bühne unbeweglich, ihre Gesichtszüge dramatisch und sie schauten unsehend in das Publikum hinein, geduldig, bis wir alle Platz genommen hatten. Und das dauerte schon ein bisschen. In dringender Erwartung warf ich einen schärferen Blick auf die Schauspieler. In der Mitte der Bühne befanden sich zwei A-förmige Leiter, jede hatten zwei Leute erklettert. Im Vordergrund auf dem Boden liegten drei Leute. Sofort habe ich bemerkt, die Leute im Hintergrund trugen gelb und blau, und diese am vorne- rot und schwarz. Dabei waren ihre Kleider… aus Plastiktüten gebastelt? Ja, hat mir meine Freundin geantwortet, sie hatten ihre Kostüme selbst gemacht. Wow.

Schon an dieser Stelle sollte ich erkennen, dieses Theaterstück war nix Gewöhnnliches.

Endlich ist ein Mann aus dem Publikum vorgetreten und er hat uns dann das Stück vorgestellt- zuerst auf Deutsch, danach auf Bulgarisch. Wir wurden jetzt Den Sturm von William Shakespeare schauen, oder zumindest ein Paar Szene daraus, nicht das ganze dreistundenlange Ding. (Und Gott sei dank, denn ich habe einmal Hamlet gesehen- die langweiligste drei Stunden in meinem ganzen Leben.) Mit einem riesigen Beifall hat der Mann wieder seinen Platz genommen, die Lampen sind ausgemacht worden und eine spannungsgeladene Bassline hat die Aufmerksamkeit übernommen…

…Und sie blieb da. Eigentlich ist die ganze Zeit irgendwelche Musik im Hintegrund gelaufen. Vorwiegend Rockmusik. Die Bewegungen der Schauspieler waren perfekt damit synchronisiert. Bei den Kampfszenen hörte man besonders schwere Gitarren und die Schlägerei war eher ein Tanz und genauer- wie ein Pogo.

So elegant und abarbeitet war insgesamt das ganze szenische Verhältnis der Schauspieler. Zu jeder Zeit war auf der Bühne Vieles los und viele Leute sollten gleichzeitig vorspielen. Und zu keiner Zeit war jemand auf der falschen Stelle, niemals hat jemand die falsche Bewengung gemacht oder seine Stichwörter vergessen.

Ganz im Gegenteil, die Art und Weise, worauf sie gesprochen haben, war einfach beeindruckend. Die Wörter sind leicht geflossen, als ob das Bulgarisch wäre. Sogar die Aussprache war autenthisch- man hätte nie raten können, dass die Schauspieler nicht Deutschen waren. Aber nicht nur von der Sprache her wirkte es so großartig.

Allgemein war das Vorspielen für die Schauspieler so leicht, oder mindestens sah es so aus. In Wirklichkeit schafft man so etwas nur mit vielen Übungen, Gewissenhaftigkeit und Hingabe. Die letztere war offensichtlich vorhanden, und zwar in großem Maß. Ein Beweis dafür war die Intensität meiner Emotionen als der Höhepunkt erreicht wurde. Mit Gänsehaut fragte ich mich, ob ich weinen, schreien oder jubeln sollte.

Genau das hat für mich dieses Spiel so besonders gemacht. Wie gesagt, ich bin ehrlich kein großer Theaterfan, diese körperliche Kunst berührt mich meistens nicht so viel, wie Poesie zum Beispiel, die Zauberei von Wörtern, die zusammen Welte schaffen. Aber diesmal, diesmal echt war ich berührt, und zwar zu Tränen.

Die Handlung verrate ich absichtlich nicht- man muss das einfach selbst sehen. Als ich nach dem Spiel auf meiner Freundin wartete, kam unserer eigener Herr Marinov zu mir, wie ich erstaunt und mit kleiner Lache sagte er mir, das Theaterstück von unserer Theater-AG wurde… „eher klassischer sein“. Das bedeutet, nehme ich an: „ein bisschen langweiliger und mit weniger tollen Effekten, Musik, modernen Elementen, Tanzen, und so weiter, und so fort“.

Sein Lieblingsteil des Stückes wäre die Verwendung von Rammstein Musik und Zitaten- der mit gebrochenem Herzen Kalliban hat schmerzvoll gerufen „Mein Herz brennt… Mein Herz brennt… MEIN HERZ BRENNT!“. Persönlich mein Lieblingsteil war wie die Schauspieler geflüstert haben, mehrstimmig und mit wächsender Stärke, das war richtig spannend. Auf eins waren wir aber einig: das Stück war so professionell vorgetragen, dass man die Schüler ganz leicht mit echten, profi Schauspieler verwechseln könnte.

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Yana Stoykova

2 Comments

  1. Langweiliger meinte ich ganz sicher nicht. 😉 im Vergleich zu diesem tollen Theaterstück haben wir natürlich wesentlich weniger Zeit und Vorbereitung. Ich hoffe dennoch, dass das Stück bis Weihnachten fertig wird und dich und andere Kritiker hoffentlich überzeugen wird. Immerhin entstammt das gesamte Stück der Feder unseres Theaterkollektivs.

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